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Sehenswertes - Kirchen & Kapellen

St. Josef
Walther-Knoll-Straße 11, 71083 Herrenberg
Dekanat Böblingen
 
1933 Architekten Martin Schilling / Hans Lütkemeier, monumentales Glasgemälde Albert Birkle

Die Grundsteinlegung für die erste katholische Kirche nach der Reformation in Herrenberg erfolgte am 9. Oktober 1932. Am 22. Oktober 1933 wurde die St. Josefskirche durch Weihbischof Franz Josef Fischer eingeweiht. Unter den Architekten Schilling und Lütkemeier, beide aus Rottenburg stammend, entstand die billigste, für die damalige Zeit schönste, auch liturgisch am besten gestaltete, 200 Sitzplätze fassende Diasporakirche der Diözese Rottenburg. Die größte Außenlänge des Baues ist 36,20 Meter, die größte Breite 11,50 Meter. Die Traufhöhe beträgt 10 Meter und der Turm misst bis zum Kreuz 25 Meter.
Die neue Kirche wurde in den Schnittpunkt zweier Strassen gelegt. Von jeder Sicht aus musste deshalb ein gut wirkendes Raumbild erstrebt werden. Dies gelang den beiden Architekten dadurch, dass sie den Turm schräg ins Eck stellten. Er ist damit Brennpunkt und Ausklang zugleich. Brennpunkt im Bereich des Straßenbildes und Ausklang im Rahmen der Baugruppe und ihres Raumablaufes. Der Turm wurde deshalb auch vom Kern des Baues nicht losgelöst. Ein Blickpunkt ist auch, das große, geerdete und durch alle Turmgeschosse geführte Kreuz, das die Verbindung zwischen Himmel und Erde symbolisiert und auch so das Gotteshaus, nach Außen hin, kennzeichnet.
Wie bei jedem Kirchenbau will die Architektur eine Auffassung von Kirche vermitteln. Hier ist es das Wortbild aus dem Johannesevangelium. Gott ist Licht. Christus ist das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet. Das große Bild auf der inneren Turmfläche des Kirchturmes zeigt den auferstandenen Christus, vor einer aufgehenden Sonne gestellt, mit einer der „Ich bin“ Worten, die wir im Johannesevangelium finden. „Ich bin das Licht der Welt.“(Joh 8, 12-16) Die Christusfigur ist 7 Meter hoch. Der Rottenburger Künstler und Bildhauer Josef Walz hat dieses Bild als Rauhputzfresko geschaffen.
Eindrucksvoll angebracht, an der rechten Seite der Giebelwand, die vier Namen der Evangelisten mit den Evangelistensymbolen. Seit dem 5.Jh. werden den Evangelisten Symbole zugeordnet (nach Ezechiel 1,10 und Apk.4,7), vier geflügelte Wesen: Mensch oder Engel für Matthäus, Löwe für Markus, Stier für Lukas und Adler für Johannes. Ausdrucksstark auch der stilisierte Christuskopf am Eingang der Kirche mit dem in Stein gehauenen Schrifttext: „KOMMET ZU MIR Alle DIE IHR MÜHSELIG UND BELADEN SEID, ICH WILL EUCH ERQUICKEN. ICH WILL EUCH RUHE GEBEN FÜR EURE SEELEN“. Eine Einladung an den Besucher der Kirche.
Die kupferverkleideten Türen vollenden den äußeren Eindruck. Sie sind ornamentiert durch gut in die Fläche gesetzte Symbole, die auf Christus und das Gotteshaus bezug haben.
Der Kirchturm hat zwei Eingänge. Auf der Tür zur Straßenseite, ist der erste und letzte Buchstabe des griechischen Alphabets zu sehen. Sie stehen für Anfang und Ende, Alpha und Omega sowie das Wort PAX, die lateinische Bezeichnung für Friede. Das Kreuzzeichen verbindet beide Symbole. Am Haupteingang des Kirchturms befindet sich das Christusmonogramm, ein Kreuz und die Buchstaben IHS. Im 15.Jh. verbreitete Bernhardin von Siena das aus den griechischen Anfangsbuchstaben des Namens Jesus gebildete Zeichen IHS auch gedeutet als „Jesus hominum salvator“, Jesus, Erlöser der Menschen, volksetymologisch als „Jesus, Heiland, Seligmacher“. Auf der linken Haupteingangstür zur Kirche die Worte Porta Coeli d.h. Pforte des Himmels und auf der rechten Türe die Worte Sankta Sanktis d. h. soviel wie das „Allerheiligste“. Die Türen sind Treibarbeiten und stammen aus der Kunstschlosserwerkstätte Heilig aus Rottenburg.

Betrachten wir das Kircheninnere, so wird der Kirchenraum beherrscht von dem mächtigen, ganz in Glas und Farbe aufgelösten Chorfenster in der Apsis. In der Kirche selbst konnten die Originalfarben aus dem Jahre 1933 von Restaurator Erwin Rapp aus Denkendorf wiederentdeckt und neu bei der Renovierung im Jahr 2004 angebracht werden.
Prof. Albert Birkle hatte damals wesentlich an diesem Gesamteindruck, der sich immer dem Chorfenster unterzuordnen hat, mitgewirkt. So hat der Künstler die Farben des Hauptbildes im Schiff weiterklingen lassen. Das Blau des Fensters finden wir z. B. an der Decke des Kirchenraumes, das Lila-Violett in den Bänken wieder. Das Licht der Fenster im Schiff wurde gedämpft, um Gegenwirkung zu verhindern und die ockerbraunen Chorwände steigern die Wirkung des Bildes. Die Pfeiler in der Apsis sind in hellerer Sandsteinfarbe gestaltet. Sie lassen das Chorfenster zusammenfliesen und unterstreichen so die Gesamtwirkung. Die violettfarbigen, lackierten Kirchenbänke harmonisieren das Ganze. Die Kirche ist somit ein kunsthistorisches Gesamtwerk geworden und steht wie das Glasfenster und die Orgel unter Denkmalschutz.

Prof. Birkles großes Glasfenster in St. Josef

Die neueste Forschung zu diesem gewaltigen Chorfenster von Professor Albert Birkle hat ergeben, das es dem Kunstverständnis des damaligen Pfarrers August Gärtner, den Architekten Schilling und Lütkemeier aus Rottenburg aber auch wesendlich der Diözesen-Kunstkommission in Rottenburg zu verdanken ist, dass dieses Glasfenster in Herrenberg realisiert wurde.
„Der noch blutjunge Albert Birkle hat als einer der ersten Künstler überhaupt mit seinen Gestaltungen in unserem Bistum wirken können. Dies zeigt die Offenheit, die Modernität der katholischen Kirche gegenüber den Kunstentwicklungen der Zeit. Für diese Offenheit, eine mögliche Übersetzung für „Katholizität“ ist nicht zuletzt die Kirche St. Josef in Herrenberg ein Zeugnis“. Zitat von Wolfgang Urban, Diözesankonservator in Rottenburg.
1933 wurde in Herrenberg ein so monumentales Chorfenster in einer kleinen Diasporakirche mit rund 200 Sitzplätzen, für 250 Katholiken verwirklicht. In der damaligen Zeit war es das größte Glasfenster Süddeutschlands und wir gehen davon aus, dass es dies auch noch heute ist. Damals hatte es richtungsgebende Bedeutung in der Kunstszene.

Weitere Kunstwerke in der Kirche:
Die Pieta des Stuttgarters Bildhauer Freidrich Thuma aus dem Jahr 1934.
Die beiden Statuen, der heilige Josef mit dem Jesuskind auf der linken Seite sowie Maria auf der rechten Seite im Hallenschiff wurden von dem Stuttgarter Bildhauer Carl Eisele im Jahr 1957 geschaffen.
Der Tabernakel ist ganz in Gold gehalten. Auf den Tabernakeltüren, die noch aus der Bauzeit stammen, sind abgebildet die Sonne der Gnade und der Pelikan mit seinen Jungen. Diese sind eine Arbeit des Gmünder Goldschmiedes Karl Anton Hohl.
Der Kreuzweg muss im Zeitraum des Wirkens von Pfarrer Zettier, also zwischen 1947 und 1975, eingebracht worden sein. Er hat bereits eine 15 Station, die der Auferstehung. Die Künstlerin ist Schwester Primosa Herget (1913-2002) von den Barmherzigen Schwestern in Untermarchtal.
Die Gebrüder Link Orgel der Kirche auf der Empore ist älter als der Bau, denn sie wurde in den Jahren 1861/62 von den Gebrüdern Link, Giengen/Brenz, als Opus 33 für die Gemeinde in Dietenheim/Iller (Oberschwaben) erbaut und im Jahr 1952 durch die Firma Albert Reiser, Biberach, generalüberholt und in Herrenberg eingebaut.

Kontaktadresse:
Kath. Kirchengmeinde St. Josef und St. Martin
Walther-Knoll-Straße 13, 71083 Herrenberg
Tel.: 0049 7032 94260
Web: www.kkg-herrenberg.deE-Mail: kkg-herrenberg@t-online.de
 
Etappen:
HW-35-10 Rottenburg - Herrenberg
HW-35-11 Herrenberg - Böblingen

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Stand: September 2017 - Keine Gewähr - www.martinuswege.eu